Anti Räuchermischungen / Anti Legal Highs

 

Über diese Seite sollen die Gefahren von Legal Highs, speziell von Räuchermischungen beschrieben werden.

Substanz

Bei Räuchermischungen handelt es sich um eine Zusammensetzung von unterschiedlichen pflanzlichen Bestandteilen und (häufig) synthetischen Cannabinoiden. Meist werden sie in kleinen Päckchen aus Metallfolie mit einem Gewicht von 3 g im Internet oder in Headshops zu einem Preis von ca. 25-30 € zum Verkauf angeboten. Nach Herstellerangaben sind Räuchermischungen lediglich zur Raumluftaromatisierung gedacht (analog zu Räucherstäbchen oder als „Car Perfume“). Konsument_innen rauchen sie jedoch meist in Pfeifen, Joints, Bongs oder Vaporizern, die orale Einnahme hingegen ist weniger verbreitet. Vereinzelt gab es Berichte über intravenösen Konsum von „Spice“.

Das Angebot von Räuchermischungen ist mittlerweile sehr groß. Die derzeit  bekanntesten Produkte auf dem Markt sind: Lava Red, Monkey go bananas, Bonzai, Bloom, Maya, PI, OMG, Sweed und Space. 

Analysen verschiedener Räuchermischungen haben gezeigt, dass die Wirkung vor allem durch die Beimengung synthetischer Cannabinoide hervorgerufen wird, die vermutlich auf das Pflanzenmaterial (Damiana) aufgesprüht werden. Sie binden sich (meist) an Cannabinoid-Rezeptoren im Gehirn und lösen einen Rauschzustand aus. Mittlerweile sind über 50 synthetische Cannabinoide bekannt; sie lassen sich in 7 Hauptstrukturgruppen unterteilen:

  1. Naphthoylindole (z. B. JWH-018, JWH-073 und JWH-398)
  2. Naphthylmethylindole
  3. Naphthoylpyrrole
  4. Naphthylmethylindene
  5. Phenylacetylindole (d. h. Benzoylindole, z. B. JWH-250)
  6. Cyclohexylphenole (z. B. CP 47,497 und Homologe von CP 47,497)
  7. Klassische Cannabinoide (z. B. HU-210)
    (Quelle: http://www.emcdda.europa.eu/publications/drug-profiles/synthetic-cannabinoids/de (link is external))

Einige synthetische Cannabinoide haben eine höhere pharmakologische Potenz (stärkere Wirkung) sowie längere Halbwertzeiten (längere Wirkung) als natürliches THC.

In letzter Zeit tauchten synthetische Cannabinoide auf dem Markt auf, die von ihrer chemischen Struktur her ungewöhnlich sind und im Gehirn anders wirken als bisher bekannte natürliche und synthetische Cannabinoide.

Es besteht die Möglichkeit, dass in bisher nicht analysierten Räuchermischungen noch unbekannte synthetische Cannabinoide oder auch andere Research Chemicals enthalten sind, deren (Neben-)Wirkungen kaum abschätzbar sind.

Eine übersichtliche Seite mit Informationen zu Inhaltstoffen diverser (Il)Legal Highs findet ihr hier:
http://legal-high-inhaltsstoffe.de/substanzen/analysen.html (link is external)

Wirkung

Die Wirkung von Räuchermischungen mit synthetischen Cannabinoiden wird von Konsument_innen größtenteils ähnlich der von Cannabis beschrieben. Dabei variieren die Erfahrungen sehr stark. Häufig wird der typische Zustand des „Breitseins“ geschildert. Andere genannte Wirkungen sind: Zufriedenheit, Entspannung, ein wohliges oder wärmendes Grundgefühl und/oder ein verändertes Zeitgefühl. Einige Konsument_innen berichten außerdem von leichten Halluzinationen. Teilweise finden sich auch Berichte über anregende oder antreibende Wirkungen.

User berichten von einer Wirkdauer von 3-6 h, in Ausnahmefällen länger.

Nachweis

Grundsätzlich sind alle bisher bekannten synthetischen Cannabinoide in Blut und Urin nachweisbar – jedoch nur wenn mit z.T. sehr großem Aufwand gezielt danach gesucht wird. Dies erfolgt bisher nur in spezialisierten Laboren (z.B. im Institut für Rechtsmedizin der Uniklinik Freiburg).

Nachweis in Blut und Urin: nach Einzeldosis bis zu einigen Tagen, bei Dauerkonsum mehrere Wochen bis Monate.

Die Nachweiszeiten sind sehr stark abhängig vom konsumierten Cannabinoid. Sehr lange nachweisbar sind z.B. JWH-122 und JWH-210 (bei Dauerkonsum).

Es existieren einige Schnelltests (Urin), die den Konsum synthetischer Cannabinoide nachweisen können. Sie testen auf die Metabolite (Stoffwechselprodukte) von JWH-018 und JWH-073. Weiterhin besteht bei einigen Tests eine analytische Spezifität auf die Metabolite von JWH-081, JWH-200, JWH-250, AM-2201, RCS-4.
Laut Herstellerangaben liegen momentan (Winter 2013) noch keine Evaluationsdaten vor, ob auch der Konsum weiterer synthetischer Cannabinoide zu einem positiven Ergebnis führt. Dies kann daher nicht ausgeschlossen werden.
 

Kurzzeitnebenwirkungen

Es kann zu Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen, Schweißausbrüchen, Aggressivität, Angstzuständen, depressiven Verstimmungen, Bewusstlosigkeit, Kreislaufproblemen, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen kommen. Bei wiederholtem und häufigem Konsum wird auch von Gleichgewichtsstörungen berichtet.

Es sind Fälle bekannt, bei denen Konsument_innen nach dem Konsum von Räuchermischungen auf Grund ihrer Beschwerden ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Neben den oben genannten Symptomen kam es teilweise zu akuten psychotischen Zuständen. Als zusätzliche, für Cannabiskonsum eher ungewöhnliche Symptome wurden beobachtet: Krampfanfälle, Kaliummangel, Hypertonie (hoher Blutdruck), starke Übelkeit/heftiges und langandauerndes Erbrechen, Agitation (krankhafte Unruhe), gewalttätiges Verhalten, Koma
(Quelle: http://www.bezirkskliniken-oberfranken.de/pdf/hochstadt/infomaterial/12hochstadter_gespraeche/Auwaerter_ResearchChemicals.pdf (link is external)). 

Die Giftnotrufzentrale Erfurt hat im November 2010 eine Warnmeldung bezüglich Lava Red herausgegeben: http://www.ggiz-erfurt.de/aktuelles/akt_press_10_november_lava_red.htm (link is external)

Langzeitnebenwirkungen

Unseres Wissens gibt es kaum Informationen zu Langzeitfolgen. Beim Rauchen bzw. beim Verbrennungsprozess entstehen krebserregende bzw. krebsfördernde Stoffe.

Wie bei jeder anderen Substanz besteht das Risiko, eine psychische Abhängigkeit zu entwickeln. Teilweise wird auch von Entzugserscheinungen nach dem Einstellen des Konsums berichtet. Inwieweit diese körperlich oder psychisch bedingt sind, ist uns nicht bekannt.

Safer Use

Der (scheinbar) legale Status von Räuchermischungen wiegt User häufig in falscher Sicherheit. Ob Substanzen legal oder illegalisiert sind, sagt nichts über ihre möglichen gesundheitlichen Risiken aus! Außerdem können auch  bei der legalen Produktion Fehler auftreten. Risikofreien Konsum gibt es also nicht! Falls Du Dich trotzdem für den Konsum von Räuchermischungen entscheidest, informiere Dich so gut wie möglich und wäge Nutzen und Risiken sorgfältig ab!

  • Jungen und psychisch labilen Menschen sowie Menschen mit psychischen Erkrankungen raten wir aufgrund der z.T. sehr starken psychischen Wirkungen vom Konsum von Räuchermischungen ab.
  • Vermeide es, Räuchermischungen zu konsumieren, wenn Du Dich schlecht fühlst oder wenn Du psychische Probleme hast.
  • Konsumiere (möglichst) nur, wenn jemand bei Dir ist, dem Du vertraust und der im Notfall Hilfe holen bzw. leisten kann.
  • Die Wirkprinzipien vieler synthetischer Cannabinoide sind noch nicht ausreichend erforscht. Manche (Neben-)Wirkungen entsprechen nicht denen von Cannabis oder sind viel stärker. Erlebst Du unerwartete
    (Neben-)Wirkungen, konsumiere nicht weiter.
  • Bei Unwohlsein: Kopf, Nacken und Unterarme kühlen, ruhige Umgebung, frische Luft, Gespräch mit Freund_innen.
  • In psychischen Krisensituationen oder bei Bewusstlosigkeit nach (Misch)Konsum Notarzt/Notärztin rufen!
  • Der Wirkstoffgehalt einzelner Mischungen – auch derselben Marke - kann stark schwanken. Teste jedes Mal vorsichtig an!
  • Dokumentierte Notfälle im Zusammenhang mit Konsum von Räuchermischungen sind vor allem auf eine ungewollte Überdosis (meist bei Erstkonsum) zurückzuführen. Falls Du Cannabiskonsument_in bist bzw. zum ersten Mal Räuchermischungen ausprobierst – dosiere Räuchermischungen deutlich niedriger als Cannabis.
  • Mischkonsum ist wegen der unvorhersehbaren und noch unbekannten Wechselwirkungen sehr riskant. Verzichte darauf!
  • „Beim Verbrennen entstehen immer schädliche Stoffe. Während bei Tabak  und Cannabis die Zusammensetzungen der schädlichen Substanzen relativ gut erforscht sind, gibt es keinerlei Erkenntnisse über die eventuellen Risiken von Damianarauch (in der Regel Hauptträger der Cannabinoide in Räuchermischungen) und die Belastung der Chemikalien selbst. Auch ist nicht davon auszugehen, dass die zum Auftragen der Cannabinoide benutzten Lösungsmittel einem pharmazeutischen Standard entsprechen.“
    (Quelle: http://legal-high-inhaltsstoffe.de/safer-use.html (link is external))
  • Der Gebrauch von Vaporizern, Wasserpfeifen oder auch Joints mit speziellen Aktivkohlefiltern reduziert die Aufnahme krebserregender Stoffe und somit das Risiko von Atemwegsproblemen!
  • Während und nach dem Konsum kein Fahrzeug lenken oder komplizierte Maschinen bedienen (z.B. Kreissäge).
  • Konsumpausen einplanen und einhalten.

Recht

Die rechtliche Situation synthetischer Cannabinoide ändert sich fortwährend. Ins BtMG werden (bisher) keine Stoffgruppen, sondern nur einzelne Wirkstoffe/Substanzen aufgenommen. Kaum wird ein synthetisches Cannabinoid ins BtMG aufgenommen oder vom Sachverständigenausschuss für Betäubungsmittel zur Aufnahme ins BtMG empfohlen, taucht ein neues auf. Dabei reicht oftmals eine winzige Änderung in der Molekülstruktur aus, um ein Verbot zu umgehen.
Hier eine Übersicht:​

im BtMG
JWH-018 (II)    JWH-073 (II)  JWH-019 (II)
 
CP-47,497-C6 (II)  CP-47,497 (II)  CP-47,497-C8 (II)  CP-47,497-C9 (II)

AB-001 (Adamantyl-Derivat von JWH 018)

AKB-48, AKB-48F

AM-694, AM-1220, AM-1220-Azepan, AM-2201, AM-2232, AM-2233

JWH-007,  JWH-015,  JWH-081,  JWH-122,  JWH-200,  JWH-203, JWH-210, JWH-250,  JWH-251, JWH-307

5-Fluorpentyl-JWH-122 (MAM-2201)

RCS-4, RCS-4 ortho-Isomer (o-RCS-4)

UR-144, 5-Fluor-UR-144
 

Quellen: http://www.bezirkskliniken-oberfranken.de/pdf/hochstadt/infomaterial/12hochstadter_gespraeche/Auwaerter_ResearchChemicals.pdf (link is external)

http://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/dateien/Downloads/B/Betaeubungsmittelgesetz/27_BtMAEndV.pdf (link is external)

Stand der Informationen: Juli 2013

 

Quellen:

Substanzinfos
http://www.emcdda.europa.eu/publications/drug-profiles/synthetic-cannabinoids/de (link is external)
http://legal-high-inhaltsstoffe.de/ (link is external)
http://de.wikipedia.org/wiki/Cannabinoide (link is external)
http://en.wikipedia.org/wiki/Cannabinoid (link is external)
http://de.wikipedia.org/wiki/Spice_%28Droge%29 (link is external)

Foren
Land der Träume (link is external)
http://www.eve-rave.ch/Forum/viewtopic.php?f=38&t=13917 (link is external)
http://www.eve-rave.ch/Forum/viewtopic.php?f=38&t=13918&start=0 (link is external)
http://www.eve-rave.ch/Forum/ftopic13740.html (link is external)

Vorträge
http://www.drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/DrogenundSucht/Illegale_Drogen/Heroin_andere/Downloads/Auwaerter.pdf (link is external)
http://www.bezirkskliniken-oberfranken.de/pdf/hochstadt/infomaterial/12hochstadter_gespraeche/Auwaerter_ResearchChemicals.pdf (link is external)

Rechtliche Grundlagen
http://www.gesetze-im-internet.de/btmg_1981/BJNR106810981.html (link is external)
http://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2012/0301-0400/317-12.pdf?__blob=publicationFile&v=1 (link is external) (26. Verordnung zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften der Bundesregierung) 
 

Weiterführende Infos

Online-Befragung des Centre for Drug Research zum Konsum von Legal Highs in der BRD (2011)
http://drugscouts.de/sites/default/files/Abschlussbericht_Legal_Highs.pdf (79 Seiten, 551 kB)

Betäubungsmittelgesetzt
http://www.gesetze-im-internet.de/btmg_1981/BJNR106810981.html (link is external)

Quantitativer Nachweis des "Spice"-Wirkstoffes JWH-018 im Serum mittels Fluessigchromatographie-Tandemmassenspektrometrie (2009)
http://trid.trb.org/view.aspx?id=936022 (link is external)

Fachtext zur Bestimmung synthetischer Cannabinoide im Blut
http://www.analytik-news.de/Fachartikel/Volltext/uniklinikum-freiburg1.pdf (link is external)